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SIGRID FEIERT IHRE 80 JAHRE !

Argentinisches Tageblatt (por Claudio Gaebler)

Erste Jahre in Berlin…Am Kriegsanfang geht es dann nach Schlesien (die Wohnung in Berlin fällt den Bomben zu Opfer), wo sich die Liebe zu den Tieren –vom Hasen bis zum Eichhörnchen- weiterentwickelt , sie geniesst Blumen, Wald, sucht Pilze und pflückt Beeren. Sonntags geht´s in die Kirche, wo die Mutter auf der Orgel spielt. Abends am Kachelofen erzählt die Grossmutter Märchen.Aber da ist ja noch der schreckliche Weltkrieg und ihr Vater wird als verschollen erklärt. Sigrid hilft im Garten, geht in die Schule, und kümmert sich um die zwei Geschwister.-Mit nur einem kleinen Koffer –ohne jegliche Spielzeuge- flieht man am Ende nach Bitterfeld/Halle, noch mit dem letzten Zug vor den Bomben über Dresden. Dann tritt Horst in Erscheinung (1948), nach 3 Jahren Gefangenschaft in Sibirien. Die grosse Liebe entfacht: erster Kuss ganz hoch oben auf der wackligen Leiter beim Kirchenpflücken, zweiter Kuss bei am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig… es wird viel Jazz getanzt, es geht in die Oper, meistens in die freie Natur …alles geht trotz schlimmer Nachkriegszeit seine Wege…Die ersten Poesien von Horst waren seiner Sigrid gewidmet, dies bleibt auch bis zu seinem Ableben 1991 so…Als ihre Mutter mit Kindern gen Westen flieht, und dann nach Argentinien auswandert, bleibt Sigrid aus Liebe bei ihrem Bräutigam. Doch bald halten es beide in der grossen Unfreiheit auch in der DDR nicht mehr aus, sie heiraten und flüchten über Berlin nach Hamburg, wo es mit argentinischem Schiff in leider getrennten Kajüten über den "grossen Teich" geht. In Montevideo hält man sich dann etwas unplanmässig länger auf, denn in Argentinien gibt´s gerade "Revolution" (eigentlich einer der üblichen Militärputschs), doch man kommt glücklich in Buenos Aires an (1951). Hier in Argentinien, ohne Titel noch Sprachkenntnisse, muss man sich erst mal durchsetzen, von ganz unten anfangen. Sie arbeiten erst mal auf einer Insel imDelta des Parana, dann behauptet sich Ehemann Horst als Drucker in den deutschen Zeitungen, Sigrid baut eine Hühnerfarm in der Nähe von Gualeguaychu auf, nebenbei reitet sie zu noch zu den Nachbarn, um Spritzen zu geben, die Kuh wird gemolken , der Mais geerntet …Bald geht es dann über Palomar zum wunderhübschen quotenweis abgestotterten Haus mit Garten in Bella Vista, alles im Bereich des Gross-Buenos Aires. 1952 kommt Claudio ("Klaus") auf die Welt, nun freier Anwalt ; 1960 folgt "Mecki", nun Ingenieur in Europa. Ihre Enkel sind Tomas in Argentinien, German und Erika in Deutschland.-Anfangs passt man auf Häuser auf, Sigrid kümmert sich noch um andere Haushalte, dann arbeitet sie als Sekräterin der Gartenstadt-Schule –nebenbei hilft sie beim Maria Luisen Kinderheim mit-, während ihr Mann "Gerente" von deutschen Firmen wurde, und zuletzt führten sie das Ferienheim " Seeblick" in Villa Rumipal bis zu ihrer Rente.- Beide Kinder wurden, insofern es möglich war, auf deutsche Schulen geschickt…In Rumipal kümmert sich Sigrid dann noch rund um die Uhr um ihre Mutter Ingeborg, die erst mit 102 Jahren verstarb, in ihrem schönen Familiensitz am Hang des Berges, wieder umringt mit schönster Natur, Bäume, Blumen, Katze, Hund, begleitet von Füchsen…Ihre Ehe mit Horst ist lang und glücklich, man ging zusammen durch dick und dünn. Man las sich viel vor, hörte klassische Musik, es wurde die Platte von Faust I von Goethe aufgelegt, man tanzte Jazz mit Freunden, man verlebte die Freizeit ganz besonders mit Vladi, Hans Riecke, und den Familien Wiedemann.- Man reist in Argentinien rum, anfangs verleben sie die Ferien beim romantischen Haus der Nieburs mitten im Wald in Villa Berna, nach vielen Jahren flog man wieder in die Heimat nach Deutschland…Sigrid hat sich stark im Leben eingesetzt, die Stammgäste Seeblicks erinnern sich noch heute an ihre Liebenwürdigkeit, das leckere Essen, die Torten…Der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer hat es ihr besonders angetan.- Vor kurzem wurde sie in "Migraciones" bei Retiro als "die" Deutsche Einwanderin des Jahres geehrt . Nun ist Sigrid glücklich in "Villa Champaqui" in V.G. Belgrano gelandet, von schöner Natur umringt, bestens betreut von dem Heimpersonal, im selben Dorf, wo auch ihre Geschwister wohnen. Am 22. Juli feierte Sigrid ihre 80 Jahre mit Familie und Freunden … und wenn Gott will, geht es noch viele Jahre weiter…(KG)

ARRIBA